Modernes Beschwerdemanagement in Zeiten der Dankbarkeit

Audi bei Trump: Vorsprung durch Arschkriech-Technik

öffentliche Aufwertung. Ob Döllner persönlich Trump wählen würde, ist dafür unerheblich.

Der Verweis auf das Präsidentenamt reicht nicht

Döllner verteidigte den Auftritt anschließend sinngemäß damit, dass man einer Einladung des amerikanischen Präsidenten aus Respekt vor Amt und Investitionsland folge. Audi verweist außerdem auf wirtschaftlichen Druck durch US-Zölle. Die endgültige Investitionsentscheidung benötigt nach dem Reuters-Bericht noch die Zustimmung des VW-Aufsichtsrats.

Das erklärt den geschäftlichen Hintergrund. Es beantwortet die politische Frage nicht.

Respekt vor einem Amt verpflichtet einen deutschen Vorstandsvorsitzenden nicht dazu, dessen Amtsinhaber im Wahlkampf eine Bühne mitzubespielen. Erst recht nicht, wenn dieser Auftritt als Erfolg seiner Erpressung, seiner Druckpolitik verwertet werden kann.

Ein Konzernchef muss solche Zusammenhänge erkennen. Politische Naivität wäre in dieser Position keine beruhigende Erklärung.

Die Kritik kommt auch aus dem Konzern

VW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo hat Döllners Auftritt ebenfalls scharf verurteilt. Sie warf ihm aktive Wahlkampfhilfe vor und kritisierte auch den Konzernvorstand. Außerdem sieht sie einen möglichen Konflikt mit Audi-Leitlinien für Auftritte im Umfeld von Wahlen. Das ist ein Vorwurf, den Audi konkret beantworten sollte.

Es geht hier also keineswegs nur um empörte Menschen außerhalb des Unternehmens. Auch die Arbeitnehmervertretung stellt die Frage, was dieser Auftritt mit den eigenen Ansprüchen zu tun hat.

Wer Unternehmenswerte veröffentlicht, muss sich an ihnen messen lassen. Besonders dann, wenn ihre Einhaltung unbequem wird.

Trump ist für Europa kein gewöhnlicher Geschäftspartner

Mich empört dieser Auftritt auch deshalb, weil Trumps Politik europäische Interessen und die Selbstbestimmung unserer Nachbarn unter Druck gesetzt hat.

Sein Anspruch auf Grönland war ein Angriff auf die politische Selbstbestimmung Grönlands und auf die territoriale Souveränität des Königreichs Dänemark. Dabei geht es um politischen Druck und Gebietsansprüche – nicht um einen hier behaupteten, tatsächlich erfolgten militärischen Angriff auf Dänemark.

Wer europäischen Partnern derart begegnet, sollte von einem europäischen Unternehmen keine zusätzliche politische Aufwertung bekommen.

Für mich gilt dabei ein einfacher Maßstab: Die Freiheit anderer Menschen ist kein Verhandlungspfand. Weder die der Menschen in Grönland noch die der Menschen in der Ukraine. Wirtschaftlicher Erfolg rechtfertigt keine Gleichgültigkeit gegenüber ihrer Selbstbestimmung.

Die Verbindung zur AfD ist politisch relevant

Döllners Auftritt beweist keine persönliche Nähe zur AfD. Ich kenne seine private politische Haltung nicht.

Die Verbindung zwischen Trumps politischem Umfeld und der AfD ist allerdings real: US-Vizepräsident JD Vance traf Alice Weidel im Februar 2025 in München. Das Treffen wurde von seinem Büro und von Weidels Seite bestätigt.

Deshalb halte ich es für falsch, Trumps Bewegung und die europäische Rechte als voneinander getrennte Welten zu behandeln. Es gibt Kontakte und gegenseitige politische Aufwertung. Daraus folgt keine völlige Übereinstimmung in jeder Frage. Es folgt aber eine Verantwortung für diejenigen, die dieser Bewegung zusätzlich Ansehen verschaffen.

Döllner muss kein AfD-Freund sein, damit sein Auftritt politisch verheerend wirkt.

Demokratie steht nicht in der Zubehörliste

Mich widert die Vorstellung an, dass demokratische Verantwortung in der Unternehmenskommunikation großgeschrieben wird und bei wichtigen Geschäften plötzlich als verzichtbarer Zusatz erscheint.

Demokratische Verlässlichkeit, unabhängige Institutionen und europäische Zusammenarbeit sind Voraussetzungen dafür, dass Unternehmen hier sicher wirtschaften können. Wer davon profitiert, trägt Verantwortung für ihren Erhalt.

Natürlich bringt ein einzelner Bühnenauftritt keine Demokratie zu Fall. Aber autoritäre Politik gewinnt gesellschaftliche Akzeptanz auch durch die Anerkennung angesehener Unternehmen. Ein freundlicher Handschlag kann dabei mehr bewirken als zehn wohlformulierte Wertebroschüren.

Genau deshalb ist dieser Auftritt so ärgerlich.

Audi muss diesen Auftritt erklären

Ich erwarte von Audi eine konkrete Stellungnahme: Warum fiel die Wahl auf eine Wahlkampfveranstaltung? Wer hat das genehmigt? Wie wurde der Auftritt auf Vereinbarkeit mit den eigenen Regeln geprüft? Und welche Grenzen gelten künftig für politische Inszenierungen?

Eine Antwort über die Bedeutung des amerikanischen Marktes wäre keine Antwort auf diese Fragen.

Ich habe nichts gegen amerikanische Beschäftigte, die gute Arbeit und sichere Einkommen verdienen. Meine Kritik gilt einer Unternehmensführung, die ihrem Investitionsprojekt ausgerechnet auf Trumps Wahlkampfbühne Aufmerksamkeit verschafft. Das hätte absolut nicht sein müssen!

Mein Vertrauen fährt nicht mehr mit

Ich kann Audi keine Unternehmenspolitik vorschreiben. Aber ich kann entscheiden, welche Marke ich unterstützen möchte.

Nach diesem Auftritt gehört Audi für mich nicht mehr dazu.

Ein Auto transportiert Menschen. Eine Marke transportiert auch Haltung. Und mit dieser hier möchte ich nicht mitfahren.

Siehe auch:
Der Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump sorgt für scharfe Kritik. „Etliche Minuten voller Rassismus, Sexismus, Fremdenhass, Transphobie, Verächtlichmachung der Demokratie – und dann tritt einer unserer obersten Konzern-Repräsentanten auf die Bühne und betreibt aktive Wahlkampfhilfe“, sagte VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo in einem internen Interview, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.

Der Auftritt steht Cavallo zufolge im Gegensatz zu internen Leitlinien von Audi. In den drei letzten Monaten vor Wahlen seien öffentlich wirksame Termine mit zur Wahl stehenden Politikern untersagt. Döllner habe diese Prinzipien erst vor wenigen Monaten unterschrieben. Hier liege „sicherlich ein klarer Verstoß“ vor.
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/audi-us-werk-doellner-trump-100.html

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